In zahlreichen Arbeitsstunden wurde der nun überflüssig gewordene Rettungsanhänger in Eigenarbeit zum Tragkraftspritzenanhänger (TSA) umgebaut. Ausgestattet mit der Tragkraftspritze des alten LF 8s und Gerätschaften zur Wasserentnahme bildete er ab diesem Zeitpunkt eine Einheit mit dem Schlauchwagen.

Ab dem Jahre 1991 ging es auch für die FF Sittensen hoch hinaus. Von der benachbarten FF Zeven wurde von der Samtgemeinde eine gebrauchte Drehleiter DL 18 gekauft. Mit ihr war es möglich, Personen aus einer Höhe von 18 Metern aus Gebäuden zu retten, Brandbekämpfung aus der Höhe durchzuführen und Einsatzstellen effektiv auszuleuchten.

Im gleichen Jahr kam es auf der BAB A1 zu einem schweren Verkehrsunfall. In den frühen Morgenstunden des 14. Juli geriet ein mit 14 Personen besetzter Reisebus in der Nähe der Abfahrt Heidenau von der Fahrbahn ab und prallte mit hoher Geschwindigkeit frontal gegen einen Brückenpfeiler. Das erste Drittel des Fahrzeugs wurde ineinander geschoben und eine Seite dabei aufgerissen. Zudem hing das Fahrzeug schräg am Hang. Alle Insassen waren verletzt. Besonders der Fahrer und der hinter ihm sitzenden Beifahrer erlitten sehr schwere Verletzungen und waren zudem im Wrack eingeklemmt. Während die eine Hälfte der Feuerwehrleute mit den Mitarbeitern des Rettungsdienstes die Reisenden aus dem hinteren Bereich des Busses befreite, bereitete die zweite Hälfte die Rettung der eingeklemmten Fahrer vor.

  • Die zertrmmerten berreste des Reisebusses, nachdem alle Personen geborgen wurden.

Unterstützt von den Feuerwehren aus Heidenau, Tostedt und Buchholz wurden beide aus ihrer Zwangslage befreit. Der Fahrer konnte leider nur noch tot geborgen werden, der Beifahrer verstarb später am Tag an seinen Verletzungen. Die medizinische Versorgung übernahmen ein leitender Notarzt, vier Notärzte sowie die Besatzungen von insgesamt zwölf Rettungstransportwagen. Nach rund vier Stunden konnte der Einsatz beendet werden. Glücklicherweise hatte der größte Teil der 50 Passagiere den Bus bei einem Zwischenstopp in Bremen verlassen.

Gewitter sind in unseren Breitengraden nicht ungewöhnlich. Doch das Gewitter, das am 1. August 1992 über Norddeutschland zog, war eines der schwersten, das unsere Samtgemeinde je erlebt hat. Durch zahlreiche Brände entstand deutschlandweit insgesamt ein Schaden von über 10 Millionen DM. Auch in unserer Samtgemeinde hinterließ das Gewitter seine Spuren. In Folge von Blitzeinschlägen kam es zu Großbränden auf zwei landwirtschaftlichen Höfen in Hanschhorst und Kalbe, bei denen drei Gebäude nieder brannten und mehr als 35 Stück Jungvieh umkamen. Beim Feuer in Kalbe kam leider auch der Hofnachfolger, ein Mitglied der FF Kalbe, ums Leben.

 

  • Die rauchenden Trmmer der Gebude in Hanschhorst

Begonnen hatte die Brandnacht am frühen Abend, als in Hanschhorst der Blitz gleichzeitig in zwei landwirtschaftliche Gebäude einschlug. Ein Großaufgebot von insgesamt zwölf Feuerwehren konnte mehrere benachbarte Gebäude retten. Sie standen teilweise nur wenige Meter von den brennenden Gebäuden entfernt. Für die Gebäude, die Erntevorräte und Landmaschinen enthielten, kam jede Hilfe zu spät. Ebenso kamen mindesten 35 Tiere in den Flammen ums Leben. Der Schaden betrug mehr als eine halbe Million DM.

Das Feuer blieb aber nicht das letzte an diesem Abend. Rund zwei Stunden nach der Alarmierung konnte die FF Sittensen die Einsatzstelle verlassen. Noch auf dem Rückweg kam der nächste Einsatz: Ein Blitz hatte in Kalbe in einen Stall eingeschlagen und diesen entzündet. Der 2-7jährige Hofnachfolger versuchte, eingeschlossenes Vieh zu retten. Er wurde dabei von herabstürzenden Balken getroffen und unter brennenden Trümmern begraben. Er konnte am nächsten Tag nur noch tot geborgen werden.

Die Wehren aus Kalbe, Freetz, Klein Meckelsen, Lengenbostel, Sittensen und Tiste konnten das Gebäude nicht mehr retten und mussten sich darauf beschränken, ein Übergreifen auf das benachbarte Wohngebäude zu verhindern. Hierbei kam es zu unerwarteten Problemen: Über den Hof führte eine Starkstromleitung, die in Folge des Gewitters und des Brandes riss. Beim Eintreffen der ersten Einsatzkräfte stand die Leitung noch unter Spannung und gefährdete die Feuerwehrleute. Der Gesamtschaden betrug mehr als 200.000 DM.

  • Bekmpfung eines Flchenbrandes Mitte der 1990er Jahre.

Bei der Mitgliederversammlung im August 1992 wurden seit dem Ende des zweiten Weltkrieges mit Birgit und Regina Hauschild erstmals wieder Frauen in den aktiven Dienst aufgenommen.

Durch den immer weiter zunehmenden Verkehr auf den Straßen in unserem Einsatzgebiet entschied der Landkreis 1993, unseren Rüstwagen RW 1 nach Gnarrenburg abzuziehen und bei uns durch ein neues, größeres Fahrzeug zu ersetzen. Im folgenden Jahr wurde daraufhin der RW 1/GW-G 1 in Dienst gestellt. Neben der Beladung eines Rüstwagen RW 1 ist auch ein großer Teil der Beladung eines Gerätewagen Gefahrgut GW-G 1 untergebracht.

Es dauerte nicht lange und der neue Rüstwagen musste sich bei schweren Verkehrsunfällen bewähren. Insbesondere in Baustellen kam es in den folgenden Jahren immer wieder zu Einsätzen, die den Feuerwehrleuten und Rettungsdienstmitarbeitern alles abverlangten. Ein vorläufiger, trauriger Höhepunkt wurde am 27. Juni 1995 erreicht. Im Bereich einer Baustelle wurde der gesamte Verkehr über vier schmale Fahrspuren auf einer Seite der Leitplanke geführt. Aufgrund eines Fahrfehlers geriet ein Sattelschlepper ins Schleudern, der Auflieger stürzte um und blieb quer zum laufenden Verkehr liegen. Der Fahrer wurde aus der Zugmaschine geschleudert und schwer verletzt. Leider konnten einige Fahrzeuge nicht mehr rechtzeitig bremsen. Der Fahrer eines Mini-Coopers wurde getötet, als sein Fahrzeug unter den Auflieger geriet und förmlich zerquetscht wurde. Eine vierköpfige Familie prallte mit ihrem Campingbus gegen den Auflieger, alle Insassen wurden eingeklemmt.

 

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Die Unfallstelle aus der Luft. Quelle: Polizei