Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Sittensen   

1890 - 2015                                  

 

„Die Tage vollbärtiger Biedermeierbürger, die ihre Schwengelpumpen, Feuerhaken und Ledereimer zum Feuer schleppten, voran ihr Hauptmann mit einem Rosshaarbusch am Helm, sind längst vorbei. Aber es lebt noch immer die Freiwillige Feuerwehr von der Gewissheit, dass jeder selbst etwas tun muss, um einer gemeinsamen Gefahr zu begegnen.“

 125 Jahre ist es her, dass sich 37 Einwohner der beiden selbständigen Gemeinden Groß und Klein Sittensen trafen und die Freiwillige Feuerwehr Sittensen gründeten. Wenige Tage zuvor mussten sie mit ansehen, wie das Anwesen von Dietrich Pape in der Lindenstraße, am heutigen Busbahnhof, abbrannte. Die Pflichtfeuerwehr, vom Amt Zeven im Jahre 1825 eingerichtet, konnte wenig ausrichten. Obwohl jeder männliche Einwohner zwischen 16 und 60 Jahren eingeteilt war und jedes Haus über einen Feuerhaken und einen ledernen Feuerlöscheimer verfügte, waren sie einer gut organisierten freiwilligen Feuerwehr unterlegen.

 

  • Die Grndervter 1940

Beeindruckt von der Leistungsstärke der Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel beim selbigen Feuer entschlossen sich jene Bürger, es den Scheeßelern nachzutun. Sie stellten sich unentgeltlich in den Dienst ihrer Mitbürger und gründeten am 30. August 1890 den „Feuerlöschverband Groß und Klein Sittensen“. Eine Satzung mit 21 Statuten wurde beschlossen und dem königlichen Landrat in Zeven vorgelegt. In §1 der Satzung heißt es: “Die Freiwillige Feuerwehr Sittensen ist ein Verein gesunder und kräftiger Männer, welche die Ehrenpflicht übernommen haben, sich durch regelmäßige Übungen bei militärischer Disziplin, die Gewandtheit, den Mut und die Ruhe anzueignen, die nötig sind, um bei Feuersgefahr möglichst rasch und in zweckmäßiger Weise Hilfe leisten zu können.“ Auch nach 125 Jahren trifft der Kern dieser Satzung immer noch zu. Selbstverständlich haben sich heute auch Frauen dieser Aufgabe verschrieben. Egal ob als Maschinist, Gruppenführer oder Angriffstrupp an vorderster Front – sie stehen ihren Kameraden in nichts nach. Aus dem Verein ist inzwischen ein fester Bestandteil der Verwaltung der Samtgemeinde Sittensen geworden, der nicht nur bei Feuergefahr Hilfe leistet. Bedingt durch die Autobahn A1 und den zahlreichen Land- und Kreisstraßen gehört das Retten von Menschenleben nach Verkehrsunfällen mittlerweile zum täglich Brot der Freiwilligen Feuerwehr Sittensen.

Im ersten Jahr wurde Casper Klindworth zum Hauptmann der Wehr gewählt. Um erste Ausrüstung anzuschaffen zu können, wurde ein Aufruf an die Einwohner der Gemeinden Groß und Klein Sittensen gestartet. Durch die finanzielle Unterstützung der Einwohner konnte die stolze Summe von 618,50 Goldmark aufgebracht werden. Dadurch war es möglich, eine Abprotzspritze mit Unterwagen und 300 Meter Schlauch zu beschaffen. Zu einem Pachtzins von 10 Pfennigen pro Jahr wurde ein Stall des Köthners Johann Stichmann als erstes Feuerwehrhaus angemietet. An gleicher Stelle befindet sich heute das Wohn- und Geschäftshaus des Malermeisters Detlef Henkis, Am Markt.

  

  • Mannschaftsbild aus dem Jahre 1935 Quelle  Archiv der Gemeinde Sittensen

Im Jahre 1898 verstarb Hauptmann Casper Klintworth. Zu seinem Nachfolger wurde der Schuhmachermeister Hinrich Bredehöft gewählt. Unter seiner Führung wurde im Jahr 1900 die Gründung einer Feuerwehrkapelle beschlossen. Daraus wurde im Laufe der Jahre unser heutiges Blasorchester. Die Leitung der Kapelle übernahm der 22-jährige Musiker Heinrich Kohl. Im ersten Jahr bestand die Kapelle aus sieben Musikern, denen sich schon bald weitere anschlossen.

 Die erste große Bewährungsprobe bestand die Sittenser Wehr am 5. August 1907. Über Norddeutschland tobte ein starkes Gewitter. Einer der Blitze setzte den mit geteerten Holzschindeln gedeckten Turm der Sittenser St.-Dionysius-Kirche in Brand. Mit Signalhörnern wurden die Sittenser Wehrmänner alarmiert, um ihr Wahrzeichen zu retten. Für den Turm selbst kam jede Hilfe zu spät. Es gelang jedoch, das 1609 erbaute Hauptschiff vor Schaden zu bewahren. Auch nach heutigen Maßstäben gelang der Wehr damit eine Meisterleistung. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von der Freiwilligen Feuerwehr Scheeßel und den Spritzen aus Hamersen, Tiste, Kalbe, Groß und Klein Meckelsen.

  

  • Abseilbung 1954 am wiederaufgebauten Turm der St.-Dionysius-Kirche